Ein kurzer geschichtlicher Abriss der SAE

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es allein in den Vereinigten Staaten Dutzende Automobilhersteller und weltweit noch viel mehr. Viele dieser Automobilhersteller und Zulieferer traten Handelsverbänden bei, die ihren Anforderungen in Bezug auf eine gezielte Wirtschaftsförderung und Bekanntmachung des neuen Transportmittels gerecht wurden. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass auch Patentschutz, allgemeine technische Lösungen für Konstruktionsprobleme und technische Normen benötigt wurden. Darüber hinaus wünschten sich viele Ingenieure in der Automobilindustrie zur Erweiterung ihres technischen Wissens „einen freien Ideenaustausch“.

Zwei Magazinherausgeber der Zeit: Peter Heldt vom The Horseless Age und Horace Swetland vom The Automobile traten unermüdlich für ebendiese Konzepte ein, die letztlich zur Gründung von SAE führten. Heldt schrieb im Juni 1902 Folgendes in seinem Leitartikel: „Bei den Automobilherstellern macht sich die Tendenz bemerkbar, bestimmten vereinbarten Richtlinien für die Konstruktion zu folgen. Ständig tauchen jedoch technische Probleme auf, die nach Lösungen verlangen, die auf der Zusammenarbeit von Technikern aus der Branche basieren. Diese Probleme lassen sich am besten durch eine Vereinigung von Technikern lösen. Dabei soll sich das Arbeitsgebiet dieser Vereinigung ausschließlich auf die technische Seite der Automobile konzentrieren.“

Horace Swetland nutzte ebenfalls seinen Leitartikel als Sprachrohr und wurde de facto zur Stimme der Automobilingenieure seiner Zeit sowie zu einem Gründungsmitglied der SAE. Swetland sollte nachhaltige Spuren in der Geschichte der SAE hinterlassen. Nur 27 Monate nach dem Leitartikel von Heldt wurde die „Society of Automobile Engineers“ (Gesellschaft der Automobilingenieure) gegründet. Im Hauptsitz in New York City investierten vier Vorstandsmitglieder und fünf leitende Angestellte ehrenamtlich ihre Zeit und Kraft in diese Aufgabe. Präsident im Gründungsjahr 1905 war Andrew Riker, während ein aufstrebendes Ingenieurstalent namens Henry Ford der Gesellschaft als erster Vizepräsident diente. Zu Beginn bestand die Gesellschaft aus 30 Ingenieuren. Die Jahresbeiträge wurden auf 10 US-Dollar festgesetzt. In den ersten zehn Jahren stieg die Mitgliederzahl der SAE stetig an. Die junge Gesellschaft stellte Vollzeitmitarbeiter ein und begann, eine Fachzeitschrift und eine umfassende Sammlung an technischen Berichten zu veröffentlichen, die früher als „SAE Transactions“ bezeichnet wurden und heutzutage als „SAE International's Journals“ bekannt sind.

Im Jahr 1916 zählte die Gesellschaft der Automobilingenieure bereits 1.800 Mitglieder. Auf dem damaligen Jahrestreffen baten Vertreter der „American Society of Aeronautic Engineers“ (Amerikanischen Gesellschaft der Luftfahrtingenieure), der „Society of Tractor Engineers“ (Gesellschaft der Traktoringenieure) wie auch Vertreter der Motorbootindustrie die SAE, auch in ihren Branchen die Überwachung der technischen Normen zu übernehmen. Die Luftfahrt war zu jener Zeit zwar ein aufstrebender Industriezweig, aber nicht viele ahnten wohl etwas von der wichtigen Rolle, die sie wenig später einnehmen sollte. Zu den frühen Befürwortern der Idee einer Gesellschaft zur Vertretung der Luftfahrtingenieure gehörten Thomas Edison, Glenn Curtiss, Glenn Martin und Orville Wright.

Aus dem schicksalhaften Treffen im Jahr 1916 ging eine neue Organisation mit neuen Horizonten hervor. Es sollte eine neue Gesellschaft werden, die Ingenieure aus allen Bereichen der mobilen Fortbewegung vertrat. SAE-Mitglied Elmer Sperry prägte hierfür den Ausdruck „automotive“, den er aus dem Griechischen „autos“ (selbst) und dem Lateinischen „motivus“ (beweglich) ableitete, um damit jede Form von Fahrzeug mit eigenem Antrieb einzuschließen. Aus der „Society of Automobile Engineers“ wurde die „Society of Automotive Engineers“, womit das wichtigste Kapitel der SAE-Saga eingeleitet war.

Charles Kettering, einer der bedeutendsten Automobilingenieure, patentierte 1911 den Automobil-Selbststarter (Anlasser). Kettering saß der SAE während des Ersten Weltkriegs vor und dank seiner Arbeit und der seines Nachfolgers – Charles Manly – zählte die SAE 1920 bereits mehr als 5.000 Mitglieder. Manly betonte die Wichtigkeit der Entwicklung lokaler SAE-Mitgliederaktivitäten, sogenannter Abteilungen. Für die Anstrengungen der Alliierten spielten in beiden Weltkriegen Programme zur SAE-Normenentwicklung eine wichtige Rolle und so fallen die wichtigsten technischen Fortschritte in der Automobil- und Luftfahrtgeschichte zeitlich mehr oder weniger genau mit den SAE-Normen zusammen, durch die sie ermöglicht wurden. Auch heute noch ist die Entwicklung von Normen für die Bereiche Luftfahrt, Automobil und Nutz-/Lastkraftwagen ein wesentlicher Beitrag, den die SAE für diese Industriezweige und letztlich auch die gesamte Menschheit leistet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erweiterte sich der Schwerpunkt der Gesellschaft etwas – aus einer primär auf Normierung ausgerichteten Vereinigung wurde eine breiter angelegte Organisation für Informationsaustausch. 1947 wählte die SAE zum ersten Mal mit C. Erwin Frudden einen Traktoringenieur zum Präsidenten. In der Nachkriegszeit entwickelte sich die SAE-Jahresversammlung zu einer wichtigen Ausstellungs- und Weiterbildungsveranstaltung, bekannt als „SAE World Congress“ (SAE-Weltkongress). Während der 1950er-Jahre stieg die Mitgliederzahl der SAE rasant auf über 18.000 Mitglieder an. Die SAE-Konferenzen und -Ausstellungen wurden immer größer und erhielten einen immer höheren Stellenwert, je näher das 50. Jubiläum rückte.

1960 sagte SAE-Präsident Harry Cheesbrough: „Automobiltechnik kennt keine Grenzen“. Obwohl die SAE schon immer international ausgerichtet war, waren diese Worte ein Aufruf an die Organisation, den Worten auch Taten folgen zu lassen. Eine Tour durch Europa festigte die bereits in den 1950er-Jahren geknüpften Beziehungen durch eine fortlaufende Zusammenarbeit mit FISITA. Heute hat die SAE Kooperationsabkommen mit Organisationen in Japan, Deutschland, Großbritannien, Australasien und Indien, um nur einige zu nennen.

1973 führten das schnelle Wachstum und der Personal- und Raumbedarf zu einem Umzug auf den Campus in Warrendale, USA, in der Nähe von Pittsburgh. Während der 58 Jahre in Manhattan war die SAE bereits sechsmal umgezogen. In Warrendale sollte sich nun durch ausreichend vorhandene Räumlichkeiten und fähiges Personal die Stabilität einstellen, nach der die Leitung der Organisation gesucht hatte. Der Westen Pennsylvanias war zudem nicht allzu eng mit den Interessengruppen verbunden, aus denen die meisten Mitglieder stammten: Luftfahrt, Spezial- und Nutzfahrzeuge, Lastkraftwagen, Busse oder Personenkraftwagen. Pittsburgh beheimatete jedoch zu jener Zeit zahlreiche Zulieferer wichtiger Materialien und technischer Lösungen für die Mobilitätsindustrie. So wurden Unternehmen wie Alcoa, US Steel und Westinghouse zu Schlüsselfiguren für die weltweite Mobilitätsgemeinschaft.

1980 war die Mitgliederzahl bereits auf über 35.000 gestiegen. Die Jubiläumsfeier zum 75-jährigen Bestehen brachte weltweite Anerkennung durch führende Persönlichkeiten aus Politik und Industrie. Während der 1980er-Jahre begann die SAE mit ihrer elektronischen Verlagstätigkeit. Mittlerweile publiziert sie Dutzende interaktive CD-ROMs und webbasierte Angebote und bietet Tausende von Normen und technische Berichte zum Download an. Dadurch können nun Anwender überall auf der Welt nahezu verzögerungsfrei auf wichtige technische Informationen zugreifen.

In den darauffolgenden zwei Jahrzehnten wurde die Gesellschaft – ebenso wie die Industrien und einzelnen Unternehmen, die sie bediente, – stets größer, globaler und vielfältiger. Außerdem setzte sie zunehmend auf Elektronik. SAE erstellt und verwaltet mittlerweile mehr Luftfahrt-und Fahrzeugnormen als jede andere Organisation der Welt. 1996 wählte die Gesellschaft mit Claude Verbal von General Motors ihren ersten afroamerikanischen Präsidenten. Im Jahr 2000 dann ernannte die SAE mit Dr. Rodica Baranescu von Navistar International erstmals eine Frau zur Präsidentin. Baranescu stammt gebürtig aus Rumänien, wo sie auch ihre Ausbildung absolvierte. 2002 wählte die SAE erstmals einen indischen Präsidenten: Dr. S. M. Shahed von Garrett Engine Boosting Systems der Honeywell Corporation.

SAE International dient ihren primären Interessengruppen auf vielfältige Art und Weise. Mit ihren weltweit anerkannten Fachzeitschriften – Automotive Engineering International, Aerospace Engineering und Off Highway Engineering – informiert die SAE die Mobilitätsgemeinschaft über die neusten Entwicklungen. Ein Abonnement dieser Fachzeitschriften ist einer der vielen Vorteile einer SAE-Mitgliedschaft. Das breite Spektrum an technischen, historischen und statistischen Veröffentlichungen erreicht jährlich Kunden in über 65 Ländern. Auch die Möglichkeiten zur beruflichen Fort- und Weiterbildung wurden in den letzten 20 Jahren bei der SAE ständig erweitert. Mittlerweile bieten wir jedes Jahr mehr als 450 verschiedene berufliche Weiterbildungsmaßnahmen an.

Während der 1990er-Jahre verkündete SAE International die Gründung von SAE Brasil, einer Tochtergesellschaft mit über 1.500 Mitgliedern und einem eigenen jährlichen Weltkongress. Darüber hinaus eröffnete SAE vier regionale Abteilungen auf dem indischen Subkontinent und gründete neue Abteilungen in China, Russland, Rumänien und Ägypten, um nur einige wenige zu nennen. 2002 wurde SAE India formell als eine offizielle Tochter der SAE International gegründet. Nun, da sich der Anteil der nicht in Nordamerika ansässigen Mitglieder der 25-Prozent-Marke nähert, ist die Website von SAE International zu einer zentralen Anlaufstelle für Handel und Informationsaustausch geworden.

Eine der wichtigsten Aufgaben von SAE bestand immer in der Förderung und Unterstützung der beruflichen Weiterentwicklung von Fachleuten in den zahlreichen Bereichen der Mobilitätsgemeinschaft. Zur Förderung der Kompetenz in den Naturwissenschaften und der Mathematik und um sicherzustellen, dass die Industrie auf eine größere Vielfalt an qualifizierten Bewerbern zugreifen kann, sammelt die SAE-Stiftung Gelder, mit denen die Entwicklung und Verbreitung von zwei Lehrplänen für die Klassenstufen 4 bis 8 unterstützt wird. Studien zufolge verlieren Kinder in diesem Alter oft das Interesse an Mathematik und Naturwissenschaften, die sie später aber als Basis für eine akademische Ingenieurslaufbahn benötigen. Der ursprüngliche Lehrplan – „A World In Motion“ (Eine Welt in Bewegung) – wurde 1990 als Ergänzung für den Physikunterricht in den Klassenstufen vier, fünf und sechs entwickelt. Das ursprüngliche „A World In Motion“-Programm wurde schließlich überarbeitet, um den Lehrplan mit etwas zeitgemäßerem Material zu aktualisieren. „A World In Motion, Challenge II“ (Eine Welt in Bewegung, Herausforderung II) hingegen wurde auf Schüler der Klassenstufen sieben und acht zugeschnitten.

Für Studenten aus Ingenieurstudiengängen bietet die SAE zwölf verschiedene „Collegiate Design Competitions“ (Akademische Konstruktionswettbewerbe) an. Bei diesen Veranstaltungen sollen die Studenten im Unterricht vermittelte theoretische Grundlagen in die Praxis umsetzen, indem sie in einem Wettbewerbsumfeld ein wirkliches Fahrzeug konstruieren, bauen und dessen Leistungsfähigkeit testen. Diese „SAE Collegiate Design Competitions“ ziehen mehr als 4.500 Studenten aus 500 Universitäten auf sechs Kontinenten an. Formula SAE, SAE Mini Baja und