2013-01-0439

Fahrerablenkung: Verwechseln wir ein Symptom mit dem eigentlichen Problem?

Gegenstand
In den letzten Jahren scheinen wir kontinuierlich mit Forschungsergebnissen und Artikeln der Boulevardpresse überschüttet zu werden, in denen von den Gefahren der Fahrerablenkung die Rede ist. Im Mittelpunkt steht vor allem die Nutzung von Handys oder anderen Datenübertragungssystemen hinter dem Steuer. Angesichts der Menge und der scharfen Töne dieser Artikel würde man davon ausgehen, dass die Vereinigten Staaten mit einer drastisch erhöhten Zahl von Verkehrsunfällen konfrontiert sind, weil sich die Fahrer auf ebendiese Geräte konzentrieren, statt auf die Straße. Tatsächlich ist genau das Gegenteil der Fall.

Fünfzig Jahre der Forschung, die dem umsichtigen Fahren gewidmet wurde, weisen darauf hin, dass unsere gesamte Sichtweise des Problems der „Fahrerablenkung“ falsch sein könnte. Es ist gut möglich, dass wir uns auf das Ergebnis eines Problems fixieren, anstatt auf die Ursache. Die Forschung hat wiederholt gezeigt, dass sich eine hohe Arbeitsauslastung negativ auf die Leistung auswirkt. Weniger anerkannt ist die Ansicht, dass eine zu geringe Arbeitsauslastung praktisch denselben Effekt hat. In den letzten fünfzig Jahren haben sich die Fahreranforderungen durch die Einführung einer Vielzahl von Innovationen stetig reduziert. Wäre es möglich, dass wir sie zu stark reduziert haben? Wenn das der Fall ist, dann ist der aktuelle „Aufwärtstrend“ in der „Fahrerablenkung“ möglicherweise bloß ein Hinweis dafür, dass wir die Arbeitsauslastung des Fahrers bei der Fahrzeugführung auf ein so niedriges Niveau gesenkt haben, dass Fahrer heutzutage aktiv nach alternativen Aufgaben suchen, die ihrer Aufmerksamkeit bedürfen. Sie versuchen also, sich selbst wieder auf ein optimales Auslastungsniveau zu erheben.

Veröffentlichungsdatum: 2013-04-08
Publizierender Ausschuss: David Curry, John Meyer, Aaron Jones

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